Die Versicherungsbranche ist im digitalen Aufbruch, doch lange Produktlebenszyklen, hohe regulatorische Anforderungen und Legacy-Systeme machen die zügige Transformation zur Herausforderung. Sollten Unternehmen eigene, passgenaue Lösungen entwickeln oder branchenerprobte Lösungen von externen Dienstleistern einkaufen? Aus unserer Sicht gibt es eine klare, wenn auch differenzierte Antwort.

KI-Systeme sind Top-Priorität, doch die Innovationsstrategie ist erfolgsentscheidend
Die Versicherungsbranche hat sich in den vergangenen Jahren spürbar digitalisiert: Online-Schadenmeldungen sind vielerorts etabliert, automatisierte Dubiosprüfungen oder KI-gestützter Kundenservice im Aufbau. Doch viele Versicherer schöpfen das Potenzial digitaler Innovation noch nicht vollends aus.
Nur sechs Prozent der deutschen Versicherer haben laut „Future Readiness“-Studie 2025 ihre Prozesse vollständig digitalisiert. Die daraus entstehenden Wettbewerbsnachteile sind spürbar und die schnelle Verbreitung von Künstlicher Intelligenz (KI) verschärft den Handlungsdruck.
Folgerichtig ist die Investition in KI 2026 eine Top-Priorität für Versicherer. Doch über den Erfolg der Transformation wird die Integrationsstrategie entscheiden. Investieren Versicherer, um ihre Legacy-Systeme mit innovativen Eigenentwicklungen zu erweitern bzw. zu modernisieren oder setzen sie auf die Anbindung externer Lösungen?
Die zentrale Frage: Externe Schadenmanagement-Lösungen oder Eigenentwicklung?
Eigenentwicklungen, die unternehmensspezifische Besonderheiten abbilden, waren über Jahre der Standard in der Versicherungsbranche. Aus gutem Grund. Doch mit der technologischen Entwicklung sind einstige Argumente immer weniger schlagkräftig. Individualität kann Vereinfachung und Effizienzvorteile verhindern. Die Folge: Versicherer verpassen die Chance, Prozesse kritisch zu hinterfragen.
Was ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist: Wer Lösungen selbst entwickelt, ist auch für Betrieb und Wartung selbst verantwortlich. Das bedeutet dauerhaft hohe Aufwände für Personal und Technologie, um Wartung und Weiterentwicklung sicherzustellen.
Die gute Nachricht: Das Angebot externer Lösungen für Versicherer hat in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. Das pauschale Urteil „Standardlösungen passen nicht zu unseren Anforderungen“ hat sich überholt.
Die Schadenmanagement-Anwendungen spezialisierter Anbieter decken die typischen Anforderungen von Akteuren in der Versicherungsbranche in der Regel sehr gut ab, inklusive Automatisierungen, KI-Funktionen und Workflow-Optimierungen.
Die Branchenlösungen sind meist nach kurzer Zeit einsatzbereit und helfen, sich schnell an die Spitze des digital Möglichen zu setzen und starre Prozesse abzulösen. Betrieb, Wartung und Weiterentwicklung liegen in den Händen des Dienstleisters. Das spart nicht nur Kosten, sondern bedeutet auch „Innovation im Abo“. Versicherer bleiben am Puls der Zeit, ohne große interne Transformationsprojekte.
Externe Lösungen lassen sich aber nicht immer an unternehmensspezifische Anforderungen und Prozesse anpassen. Versicherer sollten daher genau prüfen, inwieweit sich fachliche Logik, Workflows und Regeln konfigurieren lassen.
„Branchenlösungen sind meist nach kurzer Zeit einsatzbereit. Das spart nicht nur Kosten, sondern bedeutet auch ‚Innovation im Abo‘“ – Lars Klußmeyer, Head of Sales, Verisk Claims Germany
Diese Fragen helfen bei der Entscheidung
- Lässt sich mein aktueller Prozess standardisieren, vereinfachen oder effizienter gestalten? Wie viel Komplexität behalten wir nur aus Gewohnheit bei?
- Welche Prozesse sind Kernkompetenz und Differenzierungskriterium?
- Wie schnell brauchen wir Ergebnisse und wie skalierbar muss die Lösung sein?
- Welche technischen oder fachlichen Fähigkeiten sind notwendig und können wir diese intern abdecken?
- Haben wir intern die Ressourcen, um nicht nur initiale Entwicklungen, sondern auch Weiterentwicklung abzudecken (Total Cost of Ownership)?
- Gibt es einen Partner im Markt, der kurzfristig zu meinen Anforderungen und langfristig zu meiner Strategie passt?
- Welche regulatorischen Anforderungen sind zu erfüllen (z. B. Datenschutz, Auditierbarkeit)?
Hybride Ansätze: Ausweg aus dem Make-or-Buy-Dilemma
Weder Eigenentwicklungen noch Standardlösungen können in jedem Szenario vollends überzeugen. Interne Lösungen sind zeit-, personal- und kostenintensiv, externe Lösungen teils zu unflexibel.
Je nach Einzelfall ist daher ein hybrider Ansatz empfehlenswert. Nicht als Kompromiss, sondern als strategische Entscheidung, um Standardisierung und fachliche Differenzierung gezielt zu verbinden.
Hierfür braucht es modular aufgebaute (digitale) Lösungen, die sich schnell implementieren, flexibel konfigurieren und schrittweise erweitern lassen. So bleiben Innovations- und Skalierungsvorteile erhalten, ohne Abstriche in individuellen Steuerungslogiken.
Schadenmanagement neu denken: Verisks Ansatz für digitales Schadenmanagement
Verisks Anwendungen für das Schadenmanagement sind genau für diesen hybriden Ansatz konzipiert. Statt einer Universallösung bieten wir spezifische Anwendungen für die zentralen Schadenprozesse. Durch die Entwicklung in Proof of Concepts oder Erfahrungen mit Leuchtturm-Kunden weisen sie bereits im Standard eine hohe Passgenauigkeit auf und sind darüber hinaus an unternehmensindividuelle Bedarfe anpassbar.
Personenschadenmanagement
Personenschäden gehören zu den komplexesten Schadenarten. Unsere Lösungen unterstützen wichtige Prozessschritte – von der strukturierten Zusammenfassung und Aufbereitung medizinischer Unterlagen bis zur fachlichen Prüfung und Risikosteuerung. Eigens entwickelte Modelle und Regelwerke strukturieren, validieren und analysieren wichtige Informationen und bereiten Entscheidungen vor, ohne fachliche Verantwortung zu ersetzen. Das verkürzt Durchlaufzeiten, erhöht die Entscheidungskonsistenz und entlastet Fachkräfte spürbar. Die smarten Assistenten lassen sich flexibel an individuelle Bedarfe anpassen, etwa für den Bereich Heilbehandlungsfehler oder die Unfall-Erstschadenbearbeitung.
Gebäudeschadenmanagement
Im Gebäudeschadenmanagement bieten wir spezialisierte Anwendungen für Versicherer, Sachverständige, Sanierer und Underwriter. Von der digitalen Datenerfassung bis zur Berichterstellung wird alles in einem System abgedeckt, um Prozesse digitaler und effizienter zu gestalten und Nachweispflichten zu erfüllen. Das entlastet Teams in der Aufbereitung von Begutachtungen. Schäden lassen sich über zentrale Plattformen koordinieren, was Abstimmungen vereinfacht und Kosten reduziert. Dank No-Code-Konfiguration können Prozesse, Formulare und Berichte flexibel an den individuellen Bedarf angepasst werden.
Kfz-Schadenmanagement
Von der Gutachtenerstellung nach Kundenvorgaben über die fiktive Abrechnung bis zur Belegprüfung – unsere Lösungen kombinieren Dienstleistungen mit datengetriebenen und KI-unterstützten Funktionen für eine reibungslose und kundenorientierte Schadenregulierung. Besonders hilfreich: Auf Basis einer Online-Reparaturkostenprognose, die mit weiteren Werten wie Wiederbeschaffungswert oder Restwert kombiniert wird, erhalten Sachbearbeitende unmittelbar eine konkrete Handlungsempfehlung – unter Berücksichtigung der individuellen Regelwerke der Versicherer. Die schnelle Rückmeldung an Geschädigte steigert die Kundenzufriedenheit und schafft Freiräume für Sachbearbeitende, um sich auf komplexe Schäden zu fokussieren.
Tragfähige Lösungen brauchen individuelle Entscheidungen
Versicherer, die neue digitale Technologien nur punktuell im Schadenmanagement einsetzen oder eine Modernisierung ihrer Software hinauszögern, riskieren ihre Zukunft. Zu groß ist der Druck durch neue Marktteilnehmer, Kostenentwicklungen und Fachkräftemangel. Die hohen Anforderungen an Individualität sind eine reale Hürde, die sich in vielen Fällen nur mit Ansätzen jenseits der binären Make-or-Buy-Logik zufriedenstellend bewältigen lässt.
Eine Universallösung zur erfolgreichen Transformation des Schadenmanagements gibt es nicht. Transformation ist Dauerzustand und eine strategische Aufgabe, kein einmaliges Projekt. Umso wichtiger ist eine Unterstützung durch branchenerfahrene Dienstleister, um Investitionen strategisch abzusichern und die digitalen Vorteile auf ein solides Fundament zu stellen.