Die Anforderungen an das Underwriting steigen: Risiken müssen schneller bewertet, Daten sauber dokumentiert und Entscheidungen fundiert getroffen werden. Gleichzeitig sind viele Underwriting-Prozesse noch immer durch manuelle Datenerfassung, Medienbrüche und uneinheitliche Vorgehensweisen geprägt.
Wie kann eine moderne Underwriting-Software hier konkret unterstützen? Und wie gelingt es, komplexe Anforderungen in eine intuitive und digitale Lösung zu übersetzen?
Das und mehr haben wir unsere Produktmanagerin Lea Nolte gefragt.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Underwriting Software zu entwickeln?
Unsere Wurzeln liegen im Schadenbereich, in dem wir bereits intensiv an digitaler Datenerfassung und Prozessoptimierung für Sachverständige und Regulierer im Gebäudeschadenmanagement gearbeitet haben. Dabei haben wir früh erkannt, wie groß der Hebel ist, wenn Daten strukturiert und direkt vor Ort digital erfasst werden.
Im Austausch mit Versicherern wurde uns schnell klar, dass die Herausforderungen im Underwriting sehr ähnlich sind. Auch hier werden Daten häufig vor Ort aufgenommen, später manuell nachbearbeitet und in unterschiedliche Systeme übertragen, wodurch ineffiziente Prozesse und teils auch Fehler entstehen.
Daher sind wir hingegangen und haben unsere bestehende Lösung gezielt für den Use Case des Underwritings weiterentwickelt, um genau diese Probleme zu lösen. Daraus entstanden ist der Underwriting Assistant.
Welche Herausforderungen im Underwriting Prozess adressiert die Software?
Viele Underwriting-Prozesse sind heute noch von hohem manuellem Aufwand geprägt. Daten werden teilweise noch immer in unterschiedlichen Formaten wie Excel, Word oder Fotos erfasst und müssen anschließend zusammengeführt und aufbereitet werden. Dadurch entstehen unnötige Medienbrüche die Zeit und letztlich auch Geld kosten.
Ein weiteres zentrales Problem ist die fehlende Einheitlichkeit in der Datenerfassung und Risikobewertung. Underwriter und Risiko-Ingenieure nutzen zum Teil unterschiedliche oder veraltete Fragebögen und haben individuelle Vorgehensweisen bei der Datenerfassung. Dadurch sind Risiken schwer vergleichbar und es besteht keine konsistente Grundlage für die Tarifierung. Durch unseren Underwriting Assistant werden Informationen digital, strukturiert und standardisiert erfasst.
Wie wird die Software konkret von unseren Kunden eingesetzt?
Die alltägliche Arbeit mit dem Underwriting Assistant kann beispielsweise wie folgt ablaufen. Die Besichtigung für den bestehenden Versicherungsnehmer oder Neukunde wird vorab vorbereitet. Dabei können bereits Dokumente hochgeladen werden oder Informationen zum Versicherungsnehmer und Risikoort hinterlegt und Fragen schon beantwortet werden. Zur Besichtigung fährt der Underwriter bzw. Risiko-Ingenieur mit dem iPad. Mit der App kann dann vor Ort auf bereits hinterlegte Daten zugegriffen werden. Außerdem können vor Ort alle weiteren Daten erfasst und über ein dynamisches Formular aufgenommen werden. Außerdem können Fotos gemacht werden, Dokumente gescannt oder unterschrieben werden. Am Ende der Besichtigung werden die Daten ins Web hochgeladen. Dort kann nach der Besichtigung ein finaler Check erfolgen und der Bericht erzeugt werden.
Wie habt ihr es geschafft, die komplexen Anforderungen in eine Software zu übersetzen?
Einen wesentlichen Erfolgsfaktor sehe ich vor allem in der engen Zusammenarbeit mit einem Leuchtturmkunden. Gemeinsam haben wir die Anforderungen detailliert aufgenommen und direkt in der Praxis getestet. Dabei sind wir bewusst iterativ vorgegangen und haben die Lösung Schritt für Schritt weiterentwickelt, anstatt zu versuchen, von Anfang an alles perfekt abzubilden.
Besonders wichtig war uns dabei die Flexibilität der Software. Da jeder Versicherer, ebenso wie die Makler, eigene Prozesse und Anforderungen haben, haben wir großen Wert auf eine hohe Konfigurierbarkeit gelegt. Formulare und Vorlagen lassen sich individuell anpassen, ohne dass IT-Kenntnisse oder Programmierung durch einen Dienstleister wie uns erforderlich sind. Unser Kunde bekommt damit eine Lösung an die Hand, die sich nahtlos an bestehende Prozesse anpasst und gleichzeitig genügend Spielraum für zukünftige Anforderungen bietet.
Welchen konkreten Nutzen bietet der Underwriting Assistant im Alltag?
Der größte Mehrwert zeigt sich in der Effizienzsteigerung und Zeitersparnis im gesamten Underwriting-Prozess. Durch die einmalige, digitale Datenerfassung vor Ort entfällt ein Großteil der Nachbearbeitung, da Berichte anschließend direkt auf Knopfdruck erstellt werden können. Das reduziert doppelte Arbeit und beschleunigt die Abläufe erheblich.
Gleichzeitig verbessert sich die Datenqualität deutlich. Durch die einheitlichen, dynamischen Fragebögen werden alle relevanten Informationen vollständig und strukturiert erfasst, sodass eine konsistente Datenbasis entsteht, die eine vergleichbare und fundierte Risikobewertung ermöglicht. Außerdem sorgt unsere moderne, intuitive Benutzeroberfläche dafür, dass die Software bei den Nutzern eine hohe Akzeptanz schafft und den Arbeitsalltag spürbar erleichtert.
Was macht dich besonders stolz, wenn du auf die Lösung blickst?
Besonders stolz macht mich das Feedback aus der Praxis, dass Nutzer durch die Software deutlich strukturierter arbeiten und spürbar Zeit sparen. Gerade in einem Bereich, der häufig noch von gewachsenen und wenig standardisierten Prozessen geprägt ist, ist das ein großer Erfolg.
Es zeigt uns, dass wir nicht nur eine technisch funktionierende Lösung entwickelt haben, sondern ein Produkt, das echten Mehrwert im Alltag schafft und aktiv genutzt wird. Genau diese Kombination aus Effizienz, Qualität und Benutzerfreundlichkeit war von Anfang an unser Anspruch.
Vielen Dank für das Gespräch.