Das Telefon klingelt. Ein Versicherter steht nach einem Unfall am Straßenrand und möchte vor allem eines wissen: Wie geht es jetzt weiter? Währenddessen stapeln sich im Backoffice weitere Schadenfälle, interne Projekte binden Kapazitäten und erfahrene Mitarbeitende sind schwer zu finden. Für viele Versicherer entsteht daraus ein wachsendes Spannungsfeld: Kfz-Schäden müssen schnell, kundennah und fachlich verlässlich bearbeitet, zugleich aber wirtschaftlich und aktiv gesteuert werden. Externe Regulierungsteams können hier gezielt unterstützen: Sie übernehmen definierte Aufgaben, bringen zusätzliche Fachexpertise ein und unterstützen Versicherer dabei, Schadenprozesse flexibler, planbarer und steuerbarer aufzustellen. Wir geben Einblicke in die Kfz-Schadenregulierung von Verisk.

Warum Kfz-Schäden besondere Anforderungen stellen
Kfz-Schäden gehören für viele Versicherte zu den emotionalsten Schadenereignissen. Das Fahrzeug wird häufig täglich benötigt, sei es für den Weg zur Arbeit, die Familie oder den eigenen Betrieb. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an Erreichbarkeit, schnelle Orientierung und eine transparente Regulierung.
Gerade in der telefonischen Schadenaufnahme kommt es deshalb auf fachliche Sicherheit, kommunikatives Fingerspitzengefühl und frühe Steuerungsimpulse an. Versicherte brauchen im ersten Kontakt eine klare Einordnung, verlässliche nächste Schritte und Ansprechpartner, die die Situation strukturiert aufnehmen, geeignete Prozesswege anstoßen und zugleich verständlich erklären können.
Die Bandbreite der Schadenfälle reicht von klassischen Kasko- und Haftpflichtschäden bis hin zu komplexen Fällen mit Personenschäden, Regressforderungen oder mehreren beteiligten Parteien. Solche Schäden erfordern neben fachlicher Expertise häufig auch juristische Kenntnisse und eine enge Abstimmung mit weiteren Beteiligten.
Auch die Geschwindigkeit spielt eine wichtige Rolle. Eine frühzeitige Schadenaufnahme, vollständige Unterlagen und eine zügige Steuerung und Regulierung schaffen Transparenz für Versicherte und unterstützen einen effizienten weiteren Schadenverlauf.
„Kfz-Schäden sind oft besonders nah am Alltag der Versicherten. Umso wichtiger sind Erreichbarkeit, fachliche Sicherheit und eine schnelle Bearbeitung. Genau dort entsteht für viele Versicherer aktuell der größte Druck.“ — Suzana Nedinic, Team Lead Claims Service Motor
Welche Aufgaben externe Regulierungsteams übernehmen können
Der Leistungsumfang externer Regulierungsunterstützung richtet sich nach dem konkreten Bedarf des Versicherers. Möglich sind klar abgegrenzte Front-Office-Aufgaben ebenso wie die fallabschließende Bearbeitung innerhalb der vom Versicherer vorgegeben Vollmachten und Regulierungsrichtlinien. Dazu gehören beispielsweise:
- die telefonische Schadenaufnahme,
- die Anlage von Schäden im System des Versicherers,
- die Koordination von Abschleppdiensten oder Ersatzwagen,
- die aktive Steuerung des weiteren Schadenverlaufs,
- die Sichtung und Nachforderung von Unterlagen,
- die Deckungsprüfung,
- die Kommunikation mit Rechtsanwälten,
- Einigungsverhandlungen,
- und die abschließende Auszahlung.
Die Bearbeitung erfolgt direkt in den Systemen des Versicherers und nach dessen Vorgaben, Prozessen, Vollmachten und Regulierungsrichtlinien. Fälle mit Betrugsverdacht oder Schäden oberhalb definierter Vollmachtgrenzen werden vorbereitet und an die zuständigen Fachbereiche übergeben.
Wie die Zusammenarbeit strukturiert wird
Ein Projekt folgt typischerweise einem strukturierten Ablauf:
- Erstgespräch und Prozessanalyse: Systemlandschaft, Schadenarten, gewünschte Bearbeitungstiefe und Schnittstellen werden gemeinsam bewertet.
- Rahmenbedingungen definieren: Regulierungsrichtlinien, Vollmachten, Arbeitsanweisungen, Handbücher und Eskalationswege werden abgestimmt.
- Dediziertes Team aufsetzen und schulen: Für den Versicherer wird ein kundenspezifisch eingearbeitetes Team aufgebaut, das nach seinen Vorgaben, Systemen und Regulierungsrichtlinien arbeitet. Qualifizierte Team-Leads und Qualitätsmanager sorgen für fachliche Führung, klare Zuständigkeiten und eine verlässliche Umsetzung im Tagesgeschäft.
- Ramp-up und Stabilisierung: Umfang und Komplexität werden schrittweise erhöht, bis Ablauf, Qualität und Zusammenarbeit eingespielt sind.
- Qualität und Steuerung sichern: Stichproben, Feedbackschleifen und regelmäßige Abstimmungen stellen sicher, dass Bearbeitung und Ergebnisqualität, Service-Level und Steuerungsquoten den Erwartungen entsprechen.
In der Praxis entstehen daraus unterschiedliche Modelle: Manche Versicherer nutzen externe Teams eher punktuell für telefonische Erstkontakte, Schadenanlage und Steuerung. Andere übertragen vollständige Bearbeitungsstrecken bis zur abschließenden Regulierung – je nach Ausgangssituation des Versicherers. Häufig geht es darum, Rückstände zu vermeiden, Kosten aktiv zu steuern, Bearbeitungsqualität sicherzustellen oder interne Teams während Systemumstellungen und organisatorischer Veränderungen zu entlasten.
Die Teams bestehen aus Versicherungskaufleuten mit Kfz- oder Haftpflichtschwerpunkt, Juristen für komplexere Fallkonstellationen sowie Mitarbeitenden mit relevanter Versicherungserfahrung. Bei komplexeren Fällen, etwa Personenschäden, Regressforderungen oder mehreren beteiligten Parteien, wird zusätzliche juristische oder medizinische Expertise eingebunden.
Fachliche Entlastung mit Blick nach vorn
Für eine zukunftsfähige Kfz-Schadenregulierung bleibt die Kombination aus fachlicher Erfahrung, klarer Steuerung und passenden digitalen Möglichkeiten entscheidend. Gerade bei größeren oder komplexeren Schäden zählen weiterhin Entscheidungskompetenz, Fingerspitzengefühl und ein gutes Verständnis für die operative Realität von Versicherern.
Die langjährige Motor-Expertise von Verisk bildet dafür einen wichtigen fachlichen Rahmen – von der Kfz-Schadenbearbeitung über Sachverständigenkompetenz bis zur aktiven Schadensteuerung. Ergänzend kann Claim Direct fachliche Expertise digital abbilden und Versicherer bereits früher in der Schadenbearbeitung unterstützen, bevor einzelne Prozessschritte oder ganze Bearbeitungsstrecken an eine externe Regulierungsorganisation übergeben werden.